Diese Woche in Podcasts (31.12.17)

Ein letztes Mal in 2017: eine Auswahl interessanter Podcasts der vergangenen Woche(n).

Vorstellung

top Top Four von Marco Arment und seiner Frau Tiffany Arment unterscheidet sich doch erheblich von den sonst hier erwähnten Podcasts. Für jede Folge suchen sie sich ein recht spezifisches Gebiet, für das sie beide die jeweils vier besten Exemplare bestimmen. Dabei kann es um Musik, Filme, Videospiele, Podcasts und häufiger auch um Essen oder Trinken gehen. Wobei wohl eine Grundregel ist, dass sich keiner an das angebliche Format hält und genau vier Einträge in eindeutiger Reihenfolge präsentiert, was zu sehr unterhaltsamen Diskussionen führen kann.

In der aktuellen Episode #35 geht es um Pies und es wird natürlich ausführlich diskutiert, welche Gerichte überhaupt zu den Pies gehören (vielleicht eine Idee für eine zukünftige Folge von Robot or not).

Die üblichen Verdächtigen

radar Mit Marco Arment (diesmal mit David Smith) geht es weiter in Under the radar #112. Sie besprechen, wie es ist, wenn man Dinge nicht aus dem idealen eigenen Bild oder Konzept der App heraus implementiert, sondern aus pragmatischen äußeren Gründen. Dabei können sie auf viele Beispiele zurückblicken, denn die Welt ist nun einmal nicht so konzeptuell rein, wie es gerade von Jüngeren oder aus dem akademischen Bereich gesehen wird.

Als Entwickler versuchen wir immer wieder, die Zukunft vorherzusagen und einzuschätzen, welche Konzepte dauerhaft belastbar sind, auf welche Art wir die benötigte Flexibilität schon zu Beginn einer Entwicklung konstruieren können. Doch einerseits ist diese Vorhersage, wo und auf welche Art die Flexibilität benötigt wird, oft nicht zutreffend. Andererseits kann man sich nicht grundsätzlich dafür entscheiden, alles flexibel zu machen, da die Komplexität des Systems damit ins Unermessliche steigt.

Eine andere Stelle, an der ideales Konzept und pragmatisches Denken aufeinander treffen, ist die Art und Weise wie eine App benutzt wird. Der Entwickler hat eine Idee, wie alles zusammen funktioniert, wofür die App auf welche Art benutzt wird. Doch das Konzept fällt beim Kontakt mit dem Nutzer oft in sich zusammen. Nutzer können sehr kreativ sein, um eine App dazu zu bringen, etwas zu tun, woran der Entwickler nie gedacht hat. Es ist wichtig, hierfür ein offenes Auge zu haben und die gewünschte Verwendung in das Konzept einzubeziehen, denn es macht keinen Sinn, seine eigenen Nutzer zu bekämpfen. Wobei immer zu bedenken ist, dass auch kleine Features oder Änderungen, die schnell zu implementieren sind, langfristige Folgen haben können, was die Unterstützung in der Zukunft angeht und das Zusammenspiel mit anderen Entwicklungen.

talk Talkshow Episode #210 mit Gast Jason Snell bietet die beste Analyse der aktuellen Kontroverse (wenn man es denn so nennen kann) um die Batterien von älteren iPhones. Wer es noch nicht mitbekommen hat: seit iOS 10.2.1 bekämpft Apple das Problem mit älteren iPhones (6, 6S, SE), die sich speziell bei Kälte und relativ niedrigem Ladestand abschalten, indem Leistungsspitzen im Stromverbrauch vermieden werden, was unter anderem durch einen bei Bedarf niedrigeren CPU-Takt erreicht wird. Zur Kontroverse wurde es vor allem dadurch, dass Apple seine Verschwiegenheitsstrategie mal wieder viel zu weit getrieben und auf diese Änderung nicht hingewiesen hat. Weder gibt es eine Anzeige, der man entnehmen kann, dass die Drosselung stattfindet, noch eine Einstellung die das erlaubt/verhindert. Hinzu kommt jetzt, dass einige behaupten, Apple würde absichtlich alte iPhones bremsen, um die Verkäufe der neuen Geräte anzuschieben. Hierfür gibt es weiter keine Evidenz und ernsthafte Beobachter halten dies für ausgeschlossen. Dass Apple jetzt jedoch mit einer Entschuldigung zugeben muss, alte iPhones (aus Gründen) unter Umständen zu verlangsamen ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Im Kern geht es darum, dass Akkus nun mal nicht so funktionieren wie der Benzintank im Auto. Werden Akkus älter, geringer gefüllt und kälter, so hat das einen Einfluss auf die maximale Menge an Strom, die unter Beibehaltung der Spannung in einem Moment geliefert werden kann (Stichwort Impedanz). Kommen die genannten Einflüsse ungünstig zusammen, stellt die Steuerelektronik fest, dass die Spannung nicht gehalten werden kann und schaltet das gesamte Gerät ab, um Schlimmeres zu verhindern, obwohl der Akku noch Ladung hat. Dies ist ein grundsätzliches Problem, betrifft vor allem komplexe Geräte (schwankender Strombedarf) mit relativ kleinen Akkus. Bei Tablets oder Notebooks tritt das dementsprechend praktisch nicht auf. Dafür aber auch bei Android-Smartphones, wo dieselben Strategien verfolgt werden: entweder die Geräte schalten sich ab oder sie werden absichtlich gedrosselt.

Prinzipiell kann man natürlich trotzdem fragen, ob sich Apple genug Mühe damit gibt, ältere Geräte funktionsfähig zu erhalten. Allerdings sprechen die relativ hohen Preise für gebrauchte iPhones dafür, dass das Problem Androidgeräte eher noch stärker betrifft.

Deutschsprachig / Vorstellung

Der Podcast Fehlfarben aus München beschäftigt sich mit Kunst. Das Konzept ist, dass die drei Podcaster eine oder mehrere Ausstellungen (oder andere Kulturveranstaltungen) besuchen und dann darüber berichten und nebenbei drei mitgebrachte Weine blind verkosten, was nicht unerheblich zur Auflockerung beiträgt. Die Pocaster sind Anke Gröner, die seit über 14 Jahren bloggt (auch hier klare Empfehlung) und gerade beginnt, in Kunstgeschichte zu promovieren, Felix, in dessen Blog auch immer wieder Museen und Kunst auftauchen, ebenso wie im Twitterstream von Florian. Nun bin ich selbst niemand, der sich ausführlich mit Kunst beschäftigt oder je von sich behaupten würde, Ahnung davon zu haben. Aber die Art wie sich die 3 den Ausstellungen nähern, sie erlebbar machen und mir (ohne dass dazu ein theoretischer kunsthistorischer Hintergrund notwendig wäre) die Kunst verständlich machen, ist einfach hörenswert.

In Fehlfarben #11 geht es um Ausstellungen der Fotografen Mark Steinmetz und Martin Parr.

Rückblick

incomparable Eine alte Folge des Incomparable-Podcasts - in Episode #157 geht es um den großartigen Comic Hawkeye von Matt Fraction und David Aja mit Jason Snell, Merlin Mann, Lisa Schmeiser, Dan Moren und Tony Sindelar.

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